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Berufswahl
Die Berufswahl ist ein Thema das wohl jeden Menschen von frühester Kindheit an beschäftigt. So war es (logischerweise) auch bei mir. Schon als Kind haben mich Farben fasziniert. Insbesondere Kontrastfarben: dunkles Violett und Gelb - ach... ich komme immer noch ins schwärmen...
Ich kann mich nicht mehr ganz genau entsinnen, aber es muss wohl im zarten Alter von 2 Jahren, 3 Monaten, 11 Tagen, 2 Stunden 47 Minuten und 12 Sekunden gewesen sein, dass ich den Entschluss fasste Maler zu werden. Das ging auch eine ganze Zeit gut, bis zu jenem Tag...
Es muss recht kurz nach meiner Einschulung gewesen sein. Bisher war mein Publikum immer recht entzückt von meinen Kunstwerken gewesen: “Oh! Was ist denn das tolles? “ “Ist das für mich?” “Willst Du nicht Opa zu Weihnachten ein schönes Bild malen?” Ich hatte erwartet, die Reaktionen des nun in der Schule noch hinzutretenden Kritikerkreises würden ähnlich euphorisch ausfallen, aber ich sollte mich täuschen.
“SEIT WANN SIND SCHAFE DENN LILA!?!?!?” schragte [eine Mischung aus schreien und fragen Anm. d. Red.] mich Frau Zeideler. Ich wollte gerade ein überzeugtes “Violett!” dagegenhalten als sie fortfuhr: “...und gelbe Wiesen gibt es doch auch nur im Spätsommer und Herbst - ihr solltet doch aber ein Frühlingsbild malen!” Ich war geschockt. Aber als ich diese Frechheiten meinem Eltern mitteilte, in der Hoffnung ab sofort, der Inkompetenz des Lehrkörpers wegen, zu Hause bleiben zu können, pflichteten sie der Kunstlehrerin auch noch bei. Sie missachteten gänzlich den Surreal-metaphysischen Charakter meines Werkes [Das habe ich aus dem Auktionskatalog des Hauses Teupitzsch, dem ich das Gemälde als Frühwerk Picassos unterjubeln wollte.]
Die Abkehr meines Publikums löste jedenfalls eine tiefe Krise in mir aus. Zum Glück lernten wir in der Schule schreiben. Seither faszinieren mich Formen. Ist es nicht toll, dass ein paar gekrümmte, schleifenbildende, sich überkreuzende und dann doch wieder entwirrende Linien dafür sorgen, dass alle des lateinischen Alphabetes kundigen Menschen die Lippen wenigstens in Gedanken still zu einem Wort zu formen [zB. Füllfederhalterverschlussdeckelgewindeverschleiß].
Als dann allerdings die Berufswahl zwecks Broterwerbes ins Haus stand erfassten mich wieder Ehrgeiz und Hochmut, Wahnwitz und Heldentum paarten sich in meinem Willen und ich folgte zielstrebigst meiner Destination:
Montag Restmüll, Dienstag braune Tonne, Mittwoch und Donnerstag öffentliche Papierkörbe, Freitag gelber Sack.
G E L B !!!!!!!!!
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